Artistsstatement


Mein Schwerpunkt ist die Malerei. Mit Pigmenten und Acrylfarben, zumeist auf Leinwand,erforsche ich elementare Themen des Lebens und des gesellschaftlichen Miteinanders. Prozesse des Loslassens, Getragen-Seins und Vertrauens interessieren mich dabei besonders. Das Element Wasser dient mir hierfür als Inspiration und Metapher zugleich. Es erfordert Mut, sich in freie Gewässer – in das Unbekannte – hineinzuwagen. Ins Wasser springen, eintauchen, untertauchen. Vom Wasser umhüllt zu sein, bedeutet sich frei und beflügelt zu fühlen.

Lasierender und pastoser Farbauftrag sowie leuchtende und zarte Farben wechseln sich ab und erzeugen ein Spannungsfeld zwischen Zartheit und Stärke, Intensität und Leichtigkeit. Dabei werden realistische Momente von abstrakten, emotionalen Farbfeldern begleitet.

Mit meinen Bildern möchte ich einladen innezuhalten. Sie sollen hoffnungsvolle Gedanken ermöglichen und dazu anregen den eigenen Blick zu weiten. Mein Ziel ist es durch meine Arbeiten Verbindungen herzustellen und unser Miteinander zu verändern.

Lydiane Lutz 

Autorentexte


A bigger splash

Über die Malerei von Lydiane Lutz
Ein Text von Christoph Hessel

„A bigger Splash“ ist der Bildtitel eines der kalifornischen Gemälde von 1967 des britischen Pop-Künstlers David Hockney. Das Motiv von Wasser – einer Welle, einer Woge eines Falls oder eben eines Spritzers – ist eine besondere malerische Herausforderung wie auch die Wolke, weil es nicht oder nicht alleine mit dem Auge fassbar ist; kaum gesehen ist es schon wieder vorüber. Die Malerin muss sich also etwas einfallen lassen, um ein noch dazu flächiges Pendant dieses Motivs auf die Leinwand zu bannen. Der Pop-Maler fror den „Splash“ nicht nur ein, er stilisierte ihn zu einem schnörkelhaften Ornament. Ganz anders geht Lydiane Lutz vor. Auf den ersten Blick könnte man auch meinen, der Explosion eines Seerosenbildes von Monet ansichtig zu werden. Wären da nicht die Menschen, Kinder wie auch Erwachsene. Man sieht sie von hinten wie in der deutschen Romantik und bei der Freizeit-Arbeit, sie schwimmen davon und ziehen den Betrachter mit.

Diese Malerei ist ungeheuer dynamisch und sehr elegant. Der Pinselschwung ist nicht nur sehr gekonnt platziert, das ist kein informelles Farbgeschütte oder Abklatschen, sondern linear geführte Komposition aus Flecken. Daran hätten auch ein James Mc Neill Whistler oder Singer-Sargent ihr Gefallen gefunden. Die rosafarbenen Bikinis kontrastieren aufs Schönste komplementär mit den kühlen grünlich-blauen Wellen. Und auch das Miteinander der eher fotografisch gegebenen Figuren mit den Spritzern um sie herum „stimmt“ in dem akademischen Sinne, dass die Proportionen sitzen und nicht zu viel des einen, der Spritzer, oder zu wenig des anderen, der Figuren, widergegeben wurde. Schwierig, da den ganz genauen Passer zu treffen. Lydiane Lutz kann das treffsicher.

Sie malt Sommerbilder, die gute Laune bereiten; es sind gewiss ebenso Familienbilder, in welche auch das farbige Kind inkludiert ist, wodurch sie als biografische Motive glaubwürdige Repräsentation eines positiven und verantwortungsvollen Lebensgefühls sind. Wie dringend hat man eine solche künstlerische Motivation bei alle den täglichen Meldungen von Dystopien nötig!

Beflügelnd

Über die Arbeiten von Lydiane Lutz
Ein Text von Dr. Theresa Gatarski, Kunsthistorikerin, München

Beflügelnd – so lassen sich die Arbeiten von Lydiane Lutz am treffendsten beschreiben. Die Künstlerin arbeitet mit einem Wechselspiel aus pastosen und lasierenden Farbflächen. Die Bildmotive changieren zwischen impressionistisch geschilderten, figurativen Versatzstücken und expressiver Abstraktion. Von der satten, leuchtenden Farbpalette geht eine kraftvolle Energie aus.

Der Zugang von Lydiane Lutz zur Malerei ist elementar. Ihrem Pinselduktus sieht man die Freude an der Farbe an. Stilistisch bewegt sich die Künstlerin auf den Spuren der großen Meister des Kolorits wie John Singer Sargent, Claude Monet und Berthe Morisot. In ihrer teilweise bis ins Abstrakte gehenden Skizzenhaftigkeit erinnern ihre Arbeiten an Monets späte Seerosenbilder. Die oftmals französischen Titel ihrer Werke sind eine Hommage an die französischen Wurzeln der Künstlerin.

Das Spiel mit unterschiedlichen Texturen – mal lasierend, mal pastos – erzeugt kontrastreiche Oberflächen, die eine sinnliche Wirkmacht entfalten. Leerstellen und Freiflächen regen die Imagination an. Auf diese Weise entstehen atmosphärische Bildräume, die dazu einladen, sich ganz auf die Malerei einzulassen und in sie einzutauchen.

Wiederkehrendes Leitmotiv ist das Wasser. Ein Element, das Gegensätze in sich vereint: Weichheit und Härte, Leichtigkeit und Dichte, Intimität und Erhabenheit. Darstellungen schwimmender, im Wasser schwebender Körper vermitteln Schwerelosigkeit und ein Gefühl von Getragensein. Die Figuren laden dazu ein, sich identifizierend in sie einzufühlen. Man könnte die Malerei von Lydiane Lutz als eine Art romantischen Expressionismus bezeichnen, da es um den Ausdruck intensiver seelischer Empfindungen geht.

Die sprudelnden Farbfluten rufen Erinnerungen an das Schwimmen in freien Gewässern wach: kalte und warme Strömungen, die Ambivalenz zwischen Glücksgefühlen und Ehrfurcht vor den unbekannten Tiefen und der Kraft des Elements. Die Malerei von Lydiane Lutz öffnet Sehnsuchtsräume, die Freiheit und spielerische Leichtigkeit vermitteln. Auf diese Weise gelingt es ihr, vielschichtige Erfahrungen wachzurufen und Gleichnisse zum Leben zu schaffen.

Sehnsucht

Über das Werk von Lydiane Lutz
Ilona Keilich, Galeristin EXOgallery Stuttgart, 2026

|DE| Sehnsucht ist ein leiser, aber beharrlicher Zustand. Sie richtet sich nicht zwingend auf ein konkretes Ziel, sondern beschreibt einen inneren Wunsch – nach Leichtigkeit, nach Getragen-Sein, nach einem Ort, an dem man sich dem Fluss des Lebens anvertrauen kann.
In ihrem künstlerischen Werk nähert sich Lydiane Lutz diesem Zustand seit vielen Jahren mit bemerkenswerter Konsequenz und Sensibilität.

Im Zentrum ihrer Malerei stehen Menschen im Wasser. Sie treiben, werden gehalten, verlieren ihr Gewicht. Wasser ist dabei nicht nur Motiv, sondern Grundbedingung: Es steht für Beziehung, für Übergang, für das Loslassen von Kontrolle. Als Frau und als Künstlerin erforscht Lutz, was es bedeutet, sich tragen zu lassen – im Leben, in zwischenmenschlichen Verbindungen, im eigenen Körper. Ihre Figuren scheinen nicht zu kämpfen, sondern zu vertrauen.

Formal bewegen sich die Arbeiten zwischen Impressionismus, Expressionismus und Abstraktion. Die Leinwände bleiben oft bewusst offen, nicht bis zum letzten Zentimeter ausgefüllt. Diese Freiräume sind keine Leerstellen, sondern Einladungen: zur eigenen Vorstellungskraft, zur Meditation, zum Sich-Verlieren im Bild. Sehnsucht entsteht gerade dort, wo etwas nicht festgelegt ist.

Auch technisch folgt Lutz diesem Prinzip. Pigmente in intensiven, kraftvollen Farben lösen sich im Wasser, fließen ineinander, entziehen sich vollständiger Kontrolle und erzeugen eine aquarellhafte Transparenz. Das Bild entsteht im Zusammenspiel von Absicht und Zufall – ein Prozess, der das Treibenlassen selbst widerspiegelt.

In der neuesten, erstmals präsentierten Serie geht die Künstlerin einen konsequenten Schritt weiter. Die klassische Leinwand wird durch transparentes Acrylglas ersetzt. Die Werke bestehen aus mehreren Schichten, die räumlich voneinander getrennt sind. Die Zwischenräume – Luft, Distanz, Durchlässigkeit – werden zu Hauptakteuren. Perspektive ist nicht mehr festgelegt, sondern abhängig vom Standort der Betrachtenden. Nähe und Entfernung, Freiheit und Verbindung verschieben sich mit jeder Bewegung.

Diese Arbeiten stellen Fragen: Wonach sehnen wir uns wirklich? Was treibt uns an? Was erfüllt uns? Was macht uns letztlich menschlich? In einer Zeit von Künstlicher Intelligenz, Automatisierung und einer Flut schnelllebiger Bilder gewinnt diese langsame, körperliche, atmende Malerei besondere Relevanz. Sie fordert Präsenz statt Weitermachen, Empfindung statt Effizienz.

Die Werke von Lydiane Lutz erinnern uns daran, dass Sehnsucht kein Mangel ist, sondern eine Kraft. Eine Bewegung hin zum Offenen, zum Unbestimmten – und damit zu uns selbst.

Presse


Augsburger Allgemeine

"Publikumspreis geht an zwei Gewinner"
11.10.2025

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Südwest Presse

"Das Wasser ist ihr Element"
11.02.2025

Artikel als PDF